Andacht zum Mitnehmen
im Kirchenspiel Cappel-Beltershausen
für die Osterzeit 2021 

 W. Glänzer, Pfr 

 

Briefe


Rike hat sich fertig angezogen. Hinter der Badezimmertür hört sie das Duschwasser laufen. Ihre Tochter hat das Radio laut aufgedreht. Eben laufen Wetter-Ankündigungen, irgendwas von noch mal Kälte. 

Rike geht zur Küche, macht das Licht an und sieht auf dem Küchentisch: Da steht ein Zweig mit Knospen in einer Glasvase. Daneben ein kleiner runder Kuchen, Rührkuchen, Schoko und gelb. An der Vase lehnt ein Briefumschlag. Oben in der Ecke trägt er eine kräftige 45, kräftig in orange geschrieben, mit Strahlen drumherum, als ob die Sonne schein scheinen würde. Rechts steht „An Mama“, darunter klebt ein Herz, dunkelrot, gemacht wie Samt, und mit Glitter. Rike streicht mit den Fingerspitzen darüber, weich. „Von Jana“, steht zu unterst. 

Rike schluckt. Den auf zu machen, hebt sie sich auf, bis Jana dabei ist.   

 Die Dusche hat aufgehört zu laufen. Rike setzt den Wasserkocher auf. Leise beginnt er zu sirren. Das Geräusch liebt sie. Unschön dagegen der Lärm der Kaffeemühle, das Schredddern. Aber als die Bohnen klein sind und Rike die Mühle öffnet  …… mmh 😊  

Nur noch eine Tasse! Ja. Mittags keinen mehr bei der Arbeit, hatte ihr die Ärztin neulich gesagt. Und stimmt, vorgestern kam ihr Brief. Rike hatte die Ärztin gebeten, ihr die Ergebnisse auch direkt zu schicken, nicht nur an die Hausärztin. Der liegt noch zu, im Wohnzimmer, im Körbchen bei den Rechnungen. 

Janas Zimmertür geht. Schnell noch die Kuchenteller hinstellen, die schönen weißen, bei dem das Porzellan am Rand eingeprägt das Blumenmuster hat. 

 

 Einen offenen Brief schreibt Gott an die Menschen: 

                            Jesus. Er ist gewissermaßen Gottes Brief an uns. 

Jesus nimmt Kranke in den Arm. Wenn viele mit Fingern zeigen, stellt er sich vor die getroffene Person. So dass die Finger ihn treffen. So stirbt er auch: Fast alle rücken von ihm ab. Nachts wird er als politischer Häftling festgenommen und schon nächsten Tag hingerichtet.  

Das ist die erste Zeile in Gottes Brief an die Menschen: Ich halte zu allen, die im Elend sind. 
Danach hat der Brief noch einen zweiten Absatz. Nämlich: 
An einem Sonntagmorgen stellen drei Frauen fest: Jesu Grab ist leer. 
Am selben Morgen begegnet er ihnen. 
Kurz nur. 

„Seht ihr, ich lebe!“ 
Später fragen sie sich oft: Haben wir uns das in unserer Trauer nur eingebildet?

 
Seine Worte? 

„Ich gehe weiter mit euch. 

Wir gehen zusammen in das Land, wo alles im Leben richtig ist. 

Der Weg dahin ist weit. 
Aber wir werden ankommen.“ 


 

Gottes Brief. 
Da bei meinen anderen. 
Amen. 









Gedenken an unsere 2019/20

Verstorbenen


Eigenbau


der Familie Küssner

am Wochenende
vom 27. bis 29. 11.2020