Beginne jeden Tag

wie ein neues Leben

Andacht zum Mitnehmen

für den 13. September, den 14. Sonntag
nach Trinitatis

Erika Berger, Bortshausen


Dieser Satz von Tomas Sjödin, einem schwedischen Pastor, gefällt mir. Vom Neuanfang ist hier immer wieder die Rede. Da bringe ich aus den Erfahrungen des letzten Tages das Gute mit und das, was mir nicht so gut gelungen ist, darf ich neu versuchen.

Neues Leben heißt dann auch, dass nichts festgeschrieben ist, dass mir Erkenntnisse geschenkt werden, die meine Wahrnehmung und damit auch mich verändern. So wird Leben zu einem Prozess, in dem ich mich entwickeln darf.

„All Morgen ist ganz frisch und neu ...“ - dieses alte Lied aus dem 16. Jahrhundert kommt mir dabei in den Kopf.

Sind Sie ein „Morgenmensch“? Erleben Sie ab und zu oder meistens den beginnenden Tag noch in der Stille der Morgendämmerung, wenn die Vögel, einer nach dem anderen, anfangen, ihr Lied zu singen? Wenn der Tag wie ein unbeschriebenes Blatt, frisch und sauber vor uns liegt? Oder ist dieses Blatt schon voll mit Sorgen, mit Ängsten, mit Schmerzen beschrieben?

Jetzt in den Sommermonaten fällt es uns leichter, das Fenster weit zu öffnen und die Frische eines neuen Tages tief einzuatmen.

Ein Tagesbeginn ist auch immer ein Sieg der Helligkeit über die Dunkelheit der Nacht. Das kann Kräfte wecken, tröstlich und inspirierend sein. Ich nehme mir die Zeit, jeden Tag ein Morgenritual zu gestalten. Dazu lese ich einen kleinen Text aus der Bibel, meistens von Jörg Zink, der die Bibeltexte in einer für unsere heutige Zeit sehr verständlichen Weise erzählt. Mit dieser Inspiration frage ich mich dann: „Was wird mich heute erwarten?“

Ich will diesen neuen Tag nicht in der Routine vieler kleiner Gewohnheiten „verschleudern“, sondern bewusst und aufmerksam durch den Tag gehen, diesen neuen Tag so gut ich kann gestalten, Möglichkeiten erkennen, wo ich Anderen Licht, Hoffnung und Mut zusprechen kann, oder dieses auch von anderen erfahre.

Das folgende Gebet von Jörg Zink will uns Mut machen für jeden neuen Tag.

Gott,

draußen vor meiner Tür

leben Menschen.
Viele davon warten auf mich.

Es gibt so viele, die mich brauchen,

so viele, die ich kennen sollte,
die mir begegnen und erwarten,
dass ich ihren Namen weiß.

Es gibt so viele, die bei mir eine offene Tür suchen,
einen Stuhl und eine Stunde des Gesprächs.

SIE WOLLEN, DASS ICH IHRE LAST MITTRAGE,
DIE LAST AUCH, DIE SIE SICH SELBST SIND.


Beginne jeden Tag wie ein neues Leben


Dazu gibt es eine kleine Geschichte:

In einem kleinen Dorf, irgendwo im Land, lebte ein alter, weiser Mann.
Er war 90 Jahre alt geworden und sah zufrieden und glücklich aus.
Da sagte einer zu ihm: „So ein schönes langes Leben! So viele Jahre lebst du schon!“ Der Alte antwortete: „Du lebst immer nur einen Tag“.
Das hatte ihn das Leben gelehrt (Phil Bosmans).


Und so können wir sicher sein, die Dunkelheit der Nacht löst sich immer wieder in die Helligkeit eines neuen Tages auf, den wir mit Gottes Hilfe neu gestalten und erleben dürfen.

All Morgen ist ganz frisch und neu,

des Herren Gnad‘ und große Treu‘;
sie hat kein End‘ den langen Tag,
drauf jedes sich verlassen mag.

Singen Sie doch einmal dieses uralte Lied aus dem 16. Jahrhundert mit. Es steht im Evangelischen Gesangbuch S. 440.

Tauferinnerung

Andacht zum Mitnehmen 

für den 27.Sept.2020, den 16. Sonntag nach Trinitatis

Margit Walter, Cappel


Ich bin getauft auf deinen Namen,

Gott Vater, Sohn und heil'ger Geist.

Ich bin gezählt zu deinem Samen,

zum Volk, das dir geheiligt heißt. 

Ich bin in Christus eingesenkt.

Ich bin mit seinem Geist beschenkt.

Von Martin Luther wird überliefert: Wenn er in persönlichen Schwierigkeiten oder Nöten war, dann habe er mit dem Finger auf die Tischplatte geschrieben: „Ich bin getauft!“ 
Das hat ihm wieder Trost und Mut gegeben.

Wann denken wir eigentlich an unsere Taufe? 

Vielleicht, wenn wir im Gottesdienst eine Taufe miterleben. Und der Text aus dem 28. Kapitel des Matthäusevangeliums, der vom Taufbefehl spricht, ist den meisten sicher auch bekannt:
 
16  Aber die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte.
17  Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten.
18  Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.
19  Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes
20  und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.


Zu unserem Leben mit Gott gehört die Taufe. Sie steht am Anfang unseres Lebens oder eines Lebensabschnitts, z.B. der Konfirmation.
Aber die Taufe ist nicht nur ein formaler Aufnahmeakt in unsere Kirche. Nein. In der Taufe geschieht die Begegnung mit Gott.
Taufe bedeutet: Gott sagt „ja“ zu mir.
Er stellt sich in der Taufe mir zur Seite.
In der Taufe widerfährt dem Täufling das, was schon der Prophet Jesaja im Auftrag Gottes dem Volk Israel zusagt:
 
Ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“


Gott hat uns erkannt, und er hat uns erlöst. Erlöst aus den Zwängen und Strukturen dieser Welt, ehe wir sie selbst bewusst an uns erfahren haben. Gott weiß, wie es um uns steht. Deshalb begegnet er uns und will uns nahe sein. Wir brauchen die Sicherheit, zu jemandem zu gehören. Und das geschieht in und mit der Taufe. Wir sind Gottes Kinder!

Gott schenkt uns mit der Taufe seine Zuneigung. Das Fundament unseres Lebens hat er gelegt, seinen Geist in unsere Herzen gepflanzt. Nun liegt es an uns, ob wir seinen Ruf hören wollen.

Die 11 Jünger taten es damals. Sie setzten sich in Bewegung. Sie hatten die Anfeindungen miterlebt, denen Jesus und sie ausgesetzt waren, hatten seinen schrecklichen Tod am Kreuz erlebt, aber auch seine ganz andere Lebendigkeit nach seiner Auferstehung. Mit zwiespältigen Gefühlen machen sie sich nun auf, zurück nach Galiläa, wo sie hergekommen waren, zurück in ihren Alltag. Was würde sie nun dort erwarten?

Jesus enttäuscht die Jünger nicht. Denn sie finden den Auferstandenen in ihrem Alltag ganz neu. Nicht als den alten Bekannten, sondern Jesus tritt in ihr Leben in ganz anderer Weise: Die Jünger leben von nun an in der Gewissheit, dass er da ist, auch in ihrer veränderten Welt, auch wenn er nicht leiblich anwesend ist.

Die Jünger sind aber auch Menschen, die zweifeln, wie auch wir so manches Mal zweifeln. Die Jünger sind keine Helden, so wie auch wir keine sind.

„Ich bin getauft!“ hat Martin Luther mit dem Finger auf die Tischplatte geschrieben, wenn er zweifelte oder verzweifelt war.

Diese Erinnerung an unsere Taufe kann auch uns helfen, aus unseren Zweifeln und Ängsten herauszutreten. 

Jeder einzelne von uns und wir als Kirche und Gemeinde stehen manchmal vor Aufgaben, die uns unlösbar escheinen. 

Wie die zweifelnden Jünger, die dort auf dem Berg stehen.

Wie werden wir mit dem veränderten Leben in der Pandemie fertig, mit den Einschränkungen, der Einsamkeit? Wie lange wird das noch so gehen?

Wie schaffe ich die Schule, meine Ausbildung, mein Studium, werden sich junge Menschen fragen...

Was sagt Jesus zu seinen Jüngern?

„Geht hinaus in alle Welt...“! 

Aber so wie Jesus seine Jünger nicht in ihren Zweifeln zurückließ, so lässt er auch uns nicht allein. 

Er sagt uns zu: Ihr seid angenommen! 

„Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

„Ich bin getauft!“, so schrieb es Martin Luther.

 Und der Prophet Jesaja hat es so ausgedrückt:

„Ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“

Gott,

Wasser ist etwas Köstliches.

Es macht frisch und jung, wenn wir verschwitzt sind.

Es macht sauber und rein, wenn wir schmutzig sind.

Es labt uns, wenn wir Durst haben.

Wasser ist etwas Köstliches.

Im Wasser ist Leben.

Ohne Wasser verwelken die Blumen.

Ohne Wasser sterben die Keime.

Ohne Wasser verschmachten Menschen und Tiere.

Im Wasser ist Leben.



 

Wasser ist wie Du, Gott,

köstlich und lebendig.

Durch Wasser rettest du Menschen.

Durch Wasser hast du Noah und seine Familie gerettet,

Mose und sein Volk.

 

Dein Sohn Jesus Christus ist köstliches Wasser.

Er macht unser Herz jung und frisch, rein und sauber.

In ihm leben wir auf.

Durch ihn sind wir gerettet.

Geist Gottes,

Du ruhst auf dem Wasser.

Es gibt Kraft und lässt uns werden

zum lebendigen Wasser.

 

nach Anton Rotzetter

 

4. Oktober 2020 

Erntedank zu Fuß

W. Glänzer, 06421-43646

pfarramt2.cappel@ekkw.de

Liebe Beltershäuserinnen und Beltershäuser,

 

„Nun danket alle Gott, mit Herzen Mund und Händen“ – und dankt mit den Füßen, setze ich das Lied aus dem Evangelischen Gesangbuch etwas frei fort. Mit einem Gottesdienst zu Fuß möchte ich Erntedank 2020 mit Ihnen in Beltershausen begehen.


 

Folgendes schwebt mir vor: Wir beginnen an der Kirche mit Psalm und Gebet. Und gehen dann in Gärten, zu Häusern, Höfen, an den Beginn der Feldgemarkung, … wohin noch? Machen Sie dafür Vorschläge! 




An jeder Station halten wir. Wer die Station vorgeschlagen hat, sagt uns kurz, warum er sie gewählt hat. Z. B., falls jemand uns zu seinem Garten geführt hat: „Ich wollte mit Euch hierher gehen. Denn ich freue mich, dass trotz der Trockenheit dieses Jahr in meinem Garten …“

Wer will, darf mehr sagen. Aber ein Satz reicht. Denn danach können auch die anderen noch etwas sagen. Einzige Bedingung ist: Ihre Beiträge sollen beginnen mit einem Satzanfang aus dieser Auswahl:

Ich freue mich …

Ich frage mich …..

Sorgen macht mir …   

Schön wäre …

Ich danke …

Ich bitte …

Dank und Bitten können sich auf ganz Verschiedenes beziehen: Früchte; Beziehung; Gesundheit; einen Menschen, den wir verloren haben; etwas, das ich gelernt und begriffen habe.

 

Besonders eingeladen sind Familien mit Kindern. Wenn sie Körbchen mit Erntegaben mitbringen? Das wäre schön. Mit denen machen wir es dieses Jahr umgekehrt: Statt sie zu einer großen Sammlung an Gaben anzuhäufen, werden sie verschenkt: Wer eine Station ausgerichtet hat, z.B. uns seinen Garten zeigt, dem schenken die Kinder am Schluss einen Apfel, eine Möhre, … Jede Station endet dann mit einem kurzen Gebet. 

Schließlich kehren wir zur Kirche zurück, sprechen wieder zusammen den Psalm und fassen alles zusammen mit Fürbitten, Vater unser, Segen. 

Geplante Dauer 50 bis 60 Minuten.

 

Wenn jemand nicht gut zu Fuß ist, kann er/sie zu Hause bleiben und wir kommen auf unserer Runde auch zu ihm/ihr. 

 

Gottesdienst zu Fuß, mit Beiträgen von vielen, mit den Kindern, mit Flötenmusik von Dorothee und Anna Schwarz-Schiemann: Das macht bestimmt Freude. Und klappt mit einem Schirm auch bei Regen. Wer mag eine Station vorschlagen und die Aktion mit vorbereiten? 

Bitte melden Sie sich bei Ehepaar Widdra, 06424 – 70300.

Bin gespannt und freue mich, wenn Sie mit ausdenken und vorbereiten –

und wenn viele kommen.